Via degli Dei | Bologna - Florenz

Via degli Dei
Von Bologna nach Florenz

Wegen der schlechten Wettervorhersage für die Alpen begraben wir die Idee, ein paar Tage in Chamonix zu verbringen und stossen mit etwas Recherche auf die Via degli Dei, ein mehrtägiger Wanderweg von der Piazza Maggiore in Bologna zur Piazza della Signoria in Florenz. Diesen Weg kann man wohl auch mit dem Mountainbike machen.
Wir treffen uns am Hauptbahnhof in Zürich in der Meinung, dass wir das Ticket wohl am Besten im Kundencenter machen, aber das ist nicht möglich. Nur über die Trenitalia-Seite können wir die Bikeplätze im SBB-Zug reservieren. Sachen gibts.

Bologna
La Grassa

Die Unwetter in Norditalien bremsen uns dann allerdings nicht aus und so erreichen wir Bologna am späten Abend. Die Stadt hat mehrere Beinamen, unter anderem la Grassa, di Fette, und das zu recht. Wir prüfen das ausgiebig beim Abendessen mit Friggione, Tortellini, Tagliatelle al Ragu und Gelato, dann am Morgen mit Kaffee und Cornetto, später kaufen wir dann noch Käse, Tomaten, Mortadella und Focaccia für unterwegs ein. Und so starten wir nach einem kurzen Stadtspaziergang zur Basilica San Petronio, den beiden berühmten Türmen Garisenda und degli Asinelli und natürlich den vielen Laubengängen wohlgenährt und mit gefüllten Rucksäcken, schon etwas schlapp von der Schlemmerei, durch die Stadt nach Westen.


Via degli Dei
Auf dem Weg der Götter nach Florenz

Beschreibung Etappe 1

Zunächst kämpfen wir uns durch den dichten Morgenverkehr der Stadt, ehe es bei den Portici di San Luca nahe dem Friedhof ruhig wird. Wir fahren weiter in das Tal des Reno und dem Fluss entlang. Hier ist der Wegverlauf teilweise etwas unklar, erst ab dem Palazzo Rossi und der Ponte di Vizzano bestätigt sich, dass wir richtig sind. Nun geht es hinauf in den Apennin, immer wieder wechseln sich freie Flächen mit dichtem Wald ab, am Passo Monte del Frate haben wir mit 530m einen ersten Hochpunkt erreicht. Nach unserem italienischen Picknick geht es weiter nach Brento, wo uns beim Kaffee ein Fahrradfahrer anspricht: ob wir auf der Via degli Dei sind und nach Madonna dei Fornelli wollen. Wir bejahen und er meint, die Strasse sei gesperrt wegen Steinschlag, man käme nicht durch und wir müssten wieder zurück und um den Monte Adonis herum. Später, wir sind noch immer bei Kaffee und Käsekuchen, kommen zwei junge Wanderer, die den Steinschlag bestätigen, sie meinten aber man komme schon irgendwie durch, auch wenn es mit den Fahrrädern etwas schwierig werde. Und so heben wir wenig später unsere Bikes über tonnenschwere Felsbrocken. Nicht schön, aber besser als wieder zurückzufahren. 
Nach einer scheinbar endlosen Steigung geht es in den Wald und wir wähnen uns schon am höchsten Punkt, aber es wartet eine schlammige Rutschbahn, bei der -aufwärts- leider auch die Schwerkraft gegen uns arbeitet. Ein kurzer Singletrail, dann rollen wir auf einem Feldweg in Richtung Madonna dei Fornelli, treffen die drei Italiener auf ihren E-Bikes wieder die sich abgekämpft aus einem Seitenweg herausschälen, die Verluste erleiden mussten und mittlerweile nur noch zu zweit sind. Hoffentlich kommen wir vollzählig in Florenz an, denken wir all drei insgeheim, während wir die letzten Meter durch blühende Wiesen zurück legen. 


Beschreibung Etappe 2

Ein neuer Tag, und er beginnt Nebelverhangen. Die kleine Strasse schlängelt sich nach Süden hoch, es gibt praktisch keinen Verkehr und wir haben die Strasse für uns. Bei Valserena hört die Strasse auf und wir folgen einem Waldweg. Nach einer kurzen Abfahrt folgt ein steiler Anstieg. Der Weg ist schlammig und Anita verschwindet fast in einer Pfütze, die tiefer ist als gedacht. Die Abfahrt vom Banditacce -mit 1204m der höchste Punkt unserer Appeninquerung- ist fordernd, besonders für Peter, der wegen einem Riss im Rahmen kurzfristig auf das Hardtail umsteigen musste. Wir erreichen alle heil den Passo della Futa, mit 903m der höchsten Punkt auf der Verbindungsstrasse zwischen Bologna und Florenz bzw. der tiefste Passübergang. Hier befindet sich auch ein Denkmal für gefallene Soldaten des Zweiten Weltkriegs. Kaum einer wurde fünfundzwanzig. Ein Espresso im legendären Gasthof am Pass, dann geht es wieder aufwärts. Die Landschaft wird etwas rauher und der Weg einsamer. Es geht auf und ab, schliesslich folgt ein Singletrail, der seinen Namen verdient, bevor ein Schotterweg hinunter in die sanfte Hügellandschaft rund um San Piero a Sieve führt. Am Convento del Bosco ai Frati machen wir eine Pause. Hier gibt es ein Kreuz, das von Donatello geschaffen wurde. In der Toskana und generell in Italien stehen die Werke von berühmten Künstlern einfach so herum, man stolpert praktisch drüber.
Wir sind jetzt aber froh in San Piero anzukommen, müssen allerdings nochmals einen Umweg zu unserer Unterkunft in Kauf nehmen. Es ist ein schöner landwirtschaftlicher Hof mit todkanischem Flair, auf dem in einer Wohnung einzelne Zimmer mit Gemeinschaftsküche angeboten werden. So treffen wir andere, die zu Fuss auf der Via degli Dei unterwegs sind. Am Abend spazieren wir in die Stadt und finden ein unscheinbares Restaurant, das aber leider schon ausgebucht ist. Im freien haben sie noch einen Tisch, der allerdings von einigen Katzen belagert wird, die nur ungern ihren Platz räumen. Wir nehmen die Herausforderung aber an und gewinnen die Oberhand. Und es lohnt sich. Uns wird fürstlich aufgetischt, das ganze spülen wir mit einem guten Tropfen hinunter, dann spazieren wir zurück zu unserer Unterkunft.


Beschreibung Etappe 3

Tag drei, ein sonniger, aber kühler Morgen begrüsst uns, als wir hinunter nach San Piero rollen. Die kurzen, steilen Anstiege hinauf zur Villa Medicea del Trebbio lassen uns aber schnell wieder schwitzen. Aussichtsreich geht es hinunter nach Tagliaferro, allerdings ist hier die Brücke über den Torrente Carza eingestürzt, sodass uns nur ein Umweg bleibt. Im Nachbardorf gibts erstmal einen Kaffee in der Dorfbar, dann kommt die nächste Steigung, die uns alle früher oder später zwingt abzusteigen, wobei Anita die längste Ausdauer hat. Der Weg führt in den Wald und scheint nicht sehr gut unterhalten. Bald wird es aber besser und langsam erreichen wir den Höhenzug, der uns zum Monte Senario führt. Das Kloster liegt auf einem dee letzten hohen Ausläufer des Apennin. Wir können nun zum ersten Mal Florenz und die Kuppel des Doms sehen. Das Kloster wurde 1245 gegründet und es lohnt sich, einen Rundgang zu machen, bevor wir uns draussen mit dem mitgebrachten Essen stärken. Dann geht es abwärts: zunächst steil durch den Wald, dann kurz auf der Strasse und danach biegen wir auf einen flowigen Weg ab, durch blühende Wiesen geht es Florenz entgegen. Im der Ferne leuchten die Dächer der Stadt. Das letzte Stück nach Fiesole müssen wir wieder auf der Strasse bleiben, da der Weg aufgrund von Forstarbeiten nicht passierbar ist. Im Fiesole gönnen wir uns einen Kaffee, dann strampeln wir in der Mittagshitze auf den Monte Ceceri. Unterwegs treffen wir auf ein älteres Paar aus Australien, die gerade auf Europabesuch sind und uns sehr mitteilsam von ihrer Reise und den Verwandten erzählen, die überall verstreut in Europa leben. Am Monte Ceceri soll Leonardo da Vinci seine Flugversuche durchgeführt haben. Wir bleiben lieber auf dem steinigen Boden und kommen so alle heil, aber immer noch verdreckt in Florenz an. Bei einer Autowaschanlage lassen wir die Bikes abspritzen, dann rollen wir zum Dom. Die Strassen werden immer voller, bald ist fast kein Durchkommen mehr. Die Ponte Vecchio umgehen wir auf dem Weg zu unserer Unterkunft an der Piazza Santo Spirito.
Nach einer Stärkung spazieren wir zur Piazzale Michelangelo und schauen uns den Sonnenuntergang über den Dächern der Stadt an. Dann gibt es erstmal Pizza.


Florenz
Die Wiege der Renaissance

Es regnet in Strömen. Wie erwartet hat das Wetter umgeschlagen und wir sind froh, dass wir bereits in Florenz angekommen sind. Für heute haben wir uns die Uffizien vorgenommen. Ein italienisches Frühstück, eine Runde zu Dom und Palazzo Vecchio, dann schlagen wir uns durch das undurchsichtige Eintrittssystem der Uffizien, wo sie täglich tausende Leute durchschleusen. Ehrlich gesagt haben wir wenig Hoffnung, dass wir es zum auf dem Ticket angegebenen Zeitpunkt hineinschaffen. Aber es funktioniert. Und wir sind drin. Es ist zwar viel los, aber mit Ausnahme des Raums mit der Venus von Botticelli hält sich der Andrang in verträglichen Grenzen. Ausufernd ist dann die Menge an Kunst, die sich hier angesammelt hat. Wir verlieren uns in den langen Gängen, unzählige Räume sind wie ein Labyrinth verbunden. Wir sind gesättigt mit Kunst, aber weil es draussen noch Regnet lassen wir uns trotzdem Zeit.
Am Nachmittag klart es auf und wir spazieren nochmals hinauf zu Piazzale Michelangelo. Auch heute ist uns ein schöner Sonnenuntergang nicht vergönnt, aber die Abenddämmerung über der Stadt war den Aufstieg trotzdem wert. Eine letzte Pizza, dann legen wir uns schlafen und frühmorgens am nächsten Tag rollen wir durch die noch leeren Strassen zum Bahnhof Santa Maria Novella, wo bereits der Zug nach Zürich wartet.


Anreise Mit der Bahn nach Bologna

Übernachten Entlang des Weges, in den etwas grösseren Ortschaften gibt es Airbnb, die sich teilweise auf Wanderer der Via degli Dei spezialisiert haben. 

Essen Besser geht nicht. An allen Übernschtunsorten gibt es mehr als genügend Restaurants, Pizzerien und Trattorie. Für Unterwegs haben wir jeweils am Morgen Focaccie, Frischkäse, Tomaten und Schinken oder Mortadella gekauft. Wasser gibt es in der Regel in den Ortschaften und manchmal an Brunnen unterwegs. Vorsicht in Bologna, fie Stadt wird nicht umsonst ‚la Grassa‘ genannt, die Fette. Alles,  was man dort anfrisst schiebt man nachher über den Appenin

Ausrüstung Die Tour ist mit dem Hardtail-Mountainbike möglich, aber nicht zu empfehlen. Ein Fully ist defintitv die bessere Wahl. 

Literatur Italien: Trans-Apennin Via degli Dei - Götterweg, Ingrid Rettertath, OUTDOOR


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